Während früher Strom fast ausschliesslich von wenigen grossen Kraftwerken zu den Verbrauchern floss, wird heute an tausenden Orten gleichzeitig Strom produziert. Besonders an sonnigen Tagen speisen zahlreiche Photovoltaikanlagen ihre Leistung gleichzeitig ins Verteilnetz ein. Dadurch erreichen einzelne Teile des Verteilnetzes zeitweise ihre Belastungsgrenzen. Gleichzeitig verändert sich das gesamte Stromsystem. Immer mehr Produktionsanlagen arbeiten mit Leistungselektronik (Wechselrichter bei Photovoltaik oder Wind), während die stabilisierende Wirkung grosser rotierender Generatoren verhältnismässig abnimmt (u.a. durch Stilllegung von thermischen Kraftwerken). Das Netz wird dadurch komplexer und anspruchsvoller zu betreiben.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die Energiepolitik ein klares Ziel: Möglichst viel Solarstrom soll dort verbraucht werden, wo er produziert wird. Mit dem Bundesgesetz für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, dem sogenannten Mantelerlass, wurden deshalb verschiedene Massnahmen beschlossen.
Beispielsweise wurde die Vergütung für überschüssigen Solarstrom stärker an den Markt gekoppelt. Damit wird der Eigenverbrauch attraktiver als die Einspeisung ins öffentliche Netz. Weiter hat der Mantelerlass neue Möglichkeiten geschaffen, Solarstrom gemeinsam zu nutzen. Bereits seit 2018 bestehen Eigenverbrauchsgemeinschaften (EVG) und Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV). Seit Anfang 2025 sind zusätzlich virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV) möglich. Ab 2026 kommen mit den lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) weitere Möglichkeiten hinzu, den lokal produzierten Strom innerhalb eines Quartiers oder einer Gemeinde gemeinsam zu nutzen.
Die wichtigsten Modelle vereinfacht zusammengefasst
| Modell | Kurz erklärt | Typischer Einsatz |
Eigenverbrauch | Direkte Nutzung im eigenen Haus mit Speicher (Strom/Wärme), Wärmepumpe, Boiler, etc. optimiert mit Heim-Energiemanagement-System (HEMS) | Einfamilienhaus |
| EVG/ZEV | Gemeinsame Nutzung innerhalb eines Mehrfamilienhauses oder einer Überbauung. | Mehrfamilienhaus |
| vEVG/vZEV | Gemeinsame Nutzung über benachbarte Gebäude. | Nachbarschaft |
| LEG | Lokale Nutzung innerhalb eines Quartiers oder Dorfes | Quartier / Dorf |
Aus der Erfahrung der Technischen Betriebe Flawil empfiehlt es sich, den Eigenverbrauch nach folgenden Prioritäten auszubauen: An erster Stelle steht die Optimierung innerhalb der eigenen vier Wände, beispielsweise mit Speichern (Wärme oder Strom) und/oder einer Wärmepumpe. Zur Optimierung wird oft ein Heim-Energiemanagement-System (HEMS) eingesetzt. Wenn nicht aller PV-Strom verbraucht wird, bietet sich die gemeinsame Nutzung innerhalb eines Mehrfamilienhauses oder in unmittelbarer Nachbarschaft über eine EVG/ZEV oder vEVG/vZEV an. Ist dies nicht möglich oder nach wie vor zu viel Solarstrom vorhanden, ist eine LEG zu prüfen.
Der Grund für diese Priorisierung ist einfach: Je mehr Beteiligte in einem Modell zusammenarbeiten, desto höher werden Organisation und Administrationsaufwand. Wo externe Abrechnungsdienstleister eingebunden werden, entstehen zusätzliche Kosten, die ebenfalls erwirtschaftet werden müssen. Deshalb lohnt es sich häufig, zunächst die einfacheren und unmittelbar wirtschaftlichen Lösungen auszuschöpfen.
Welches Modell sich im Einzelfall am besten eignet, hängt von der jeweiligen Liegenschaft und den Bedürfnissen der Eigentümerinnen und Eigentümer ab. Für Fragen oder eine persönliche Beratung stehen Ihnen die Technischen Betriebe Flawil gerne zur Verfügung. Weitere Informationen zu den verschiedenen Eigenverbrauchsmodellen finden Sie unter www.lokalerstrom.ch.
Luca Zillig
TB Flawil

